Diakonie und Glaube

Was ist Diakonie?

I. Theologische Grundlagen der Diakonie

"Zum Auftrag der Kirche gehört die Sorge für alle Menschen, die der Hilfe bedürfen.Gemäß dem Selbstverständnis der Diakonie als Sozialgestalt der Kirche ist das Diakonische Werk der institutionelle Ausdruck einer Wesens- und Lebensäußerung der Kirche. Es hat die Aufgabe, die diakonische und missionarische Arbeit anzuregen, zu planen und zu fördern, um den Gemeinden dadurch zu helfen, die im Evangelium bezeugte Liebe Gottes auch durch ihr Sein und Handeln mitzuteilen". (Fachlexikon der sozialen Arbeit, hrsg. Vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge, 4.Auflage, Stuttgart, Berlin und Köln 1997, S. 219)

(Die folgenden Ausführungen sind entnommen aus bzw. angelehnt an die entsprechenden Passagen aus der Homepage des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg-Voreifel. Wir danken Ulrich Hamacher für die Erlaubnis, Teile hieraus zu übernehmen.)

Biblische Grundlagen

In der Bibel findet sich eine Reihe von Texten, die Grundlegendes zur Diakonie aussagen. Wir führen hier einige Beispiele an, die oft zitiert werden, weil sie in der kirchlichen Tradition eine große Rolle spielen. Nach kirchlichem Verständnis bezieht die Diakonie ihren Auftrag aus der Bibel und nicht aus staatlichen Gesetzen. Auch wenn heute staatliche Regelungen erheblichen Einfluss auf die Diakonie haben, bleibt der biblische Auftrag doch grundlegend.

Dieses verdeutlichen folgende Bibelstellen:

Der barmherzige Samariter (LK 10, 25 ff)
25 Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?
26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?
27 Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«
28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.
29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?
30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen.
31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber.
32 Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.
33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn;
34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.
35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme.
36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war?
37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

Es geht hier nicht um eine umfassende Würdigung des Gleichnisses.
Auf drei Aspekte soll hingewiesen werden:

Vom Weltgericht (Mt 25, 31 ff)
31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,
32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,
33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.
34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!
35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.
36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.
37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?
38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet?
39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!
42 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.
43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht.
44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?
45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.
46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

Die Kernaussage ist nicht die Vorstellung vom "Gericht", sondern der formulierte Maßstab für die Beurteilung menschlichen Handelns: Den Hungrigen zu essen geben, die Fremden aufnehmen, die Kranken und die Gefangenen besuchen.

Also denen helfen, die Hilfe brauchen. Dabei wird es heute in unserem Land nicht vorrangig um Hungrige gehen. Die konkreten Bedarfe sind zeitbedingt. Aber die Aussage ist klar: Gott will, dass die Menschen zu ihrem Recht kommen. Sie sollen das bekommen, was sie zum Leben brauchen.

Weitere Textstellen zum Nachschlagen:

Psalm 82, 3:
"Schaffet Recht dem Armen und der Waise und helft dem Elenden und Bedürftigen zum Recht."
2. Mose 22, 20.21:
"Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen. Ihr sollt Witwen und Waisen nicht bedrücken."
3. Mose, 19,33.34:
"Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der Herr, euer Gott."
5. Mose 24, 17.18:
"Du sollst das Recht des Fremdlings und der Waise nicht beugen und sollst der Witwe nicht das Kleid zum Pfand nehmen. Denn du sollst daran denken, dass du Knecht in Ägypten gewesen bis und der Herr, dein Gott, dich von dort erlöst hat. Darum gebiete ich dir, dass du solches tust."

Witwen, Waisen und Fremdlinge bedürfen eines besonderen Schutzes. Eine Haltung, die sich in der Bibel häufiger findet.

Apostelgeschichte 6
Die Wahl der sieben Armenpfleger
1 In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung.
2 Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen.
3 Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst.
4 Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.

Das ist sozusagen die Geburtsstunde der Diakonie als eigenständiger Aufgabe der christlichen Gemeinde. Die "Armenpfleger" werden gewählt und haben den Auftrag, sich insbesondere den Armen zu widmen, und nicht anderen gemeindlichen Aufgaben.

II. Organisationsformen der Diakonie

Diakonie kennt unterschiedliche Organisationsformen. Im wesentlichen ist zu unterscheiden zwischen der Diakonie der verfassten Kirche, also diakonischen Einrichtungen in unmittelbar kirchlicher Trägerschaft, und rechtlich selbstständigen diakonischen Einrichtungen.

Die Diakonie in kirchlicher Trägerschaft besteht in der Regel einerseits aus gemeindlichen Einrichtungen oder Aktivitäten und andererseits aus kreiskirchlichen Einrichtungen, also solchen, die von örtlichen Zusammenschlüssen der Kirchgemeinden (Gemeindeverbänden oder Kirchenkreisen) getragen werden. Rechtlich selbstständige diakonische Träger sind in der Regel entweder gemeinnützige Vereine oder gemeinnützige GmbHs.

1. Gemeindediakonie

Die diakonische Arbeit vor Ort wird in kleineren Kirchengemeinden durch eine Diakoniebeauftragten und in größeren durch einen Diakonieausschuss koordiniert. Schwerpunkte der gemeindlichen diakonischen Arbeit sind die Hilfe und Unterstützung von bedürftigen Menschen im Bereich der Kirchengemeinde, der Besuchsdienst bei alten und kranken Gemeindegliedern und die Unterhaltung der Kindertagesstätten. Im Landkreis Altenkirchen gibt es 11 Kindertagesstätten in evangelischer Trägerschaft.

2. Rechtlich selbstständige Diakonie

Wenn diakonische Aufgaben von einer Kirchengemeinde nicht allein getragen werden können, so erfolgt in der Regel ein Zusammenschluss mit mehreren zu einem Verein oder - bei überwiegend betriebswirtschaftlich zu führenden Einrichtungen - zu einer gemeinnützigen GmbH.

Im nördlichen Rheinland-Pfalz haben sich als Besonderheit bereits in den 70er Jahren evangelische und katholische Kirchengemeinden als Träger von Sozialstationen zusammengeschlossen und bringen damit die ökumenische Zusammenarbeit zum Ausdruck. Im Kreis Altenkirchen sind dies die

Zu gemeinnützigen GmbHs haben sich der Kirchenkreis und die jeweils umliegenden evangelischen Kirchengemeinden bei den folgenden Alten- und Pflegeheimen zusammengeschlossen:

III. Aufgaben der Diakonie

1. Ratsuchenden helfen

"Hilfebedürftigen und abhängigen Menschen wollen wir helfen, ihre Fähigkeiten (weiter-) zu entwickeln. "Hoffnungslose Fälle" gibt es für uns nicht." (aus: Leitbild des DW des Kirchenkreises Altenkirchen)
Das wichtigste Anliegen der Diakonie ist es, Menschen zu helfen, die aus unterschiedlichen Gründen die Hilfe diakonischer Fachdienste brauchen. In seinem "Leitbild" hat das Diakonische Werk des Kirchenkreises Altenkirchen sein Selbstverständnis dargelegt. Es ist Grundlage der Arbeit von Mitarbeitenden und Leitungsorganen.
Damit dies möglich ist, wurde das Leitbild von den Mitarbeitenden in einem längeren Diskussionsprozess erarbeitet und der Kreissynode des Kirchenkreises Altenkirchen vorgelegt.

2. Anwaltsfunktion

Für die Diakonie gehört es zu ihren grundlegenden Aufgaben, auch an der Gestaltung der Gesellschaft insgesamt mitzuwirken. Dabei ist der Maßstab unseres Handelns die Vertretung der Interessen derer, die diese Aufgabe selbst nicht erfüllen können. Im Leitbild werden dazu einige Aussagen gemacht.
"Über die direkte Beratung hinaus engagieren wir uns für die Verbesserung der Lebensbedingungen derjenigen Personen, deren Stimme in der Gesellschaft nicht (genügend) gehört wird" (aus: Leitbild des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Altenkirchen)

3. Interessenvertretung

"Als Verband der Freien Wohlfahrtspflege sind wir Partner freier und öffentlicher Leistungsträger und arbeiten bedarfsgerecht, qualitätsbewusst und vernetzt." (aus: Leitbild des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Altenkirchen)
Hierzu gehört die Mitarbeit des Diakonischen Werkes in verschiedenen kommunalen Gremien und die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Einrichtungen und Diensten im Bereich der Daseinsvorsorge. Interessenvertretung findet auch statt in der Hilfe für einzelne Menschen bei der Durchsetzung von Rechtsansprüchen.

4. Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche

Dabei ist die Diakonie auf den Konsens mit der sie tragenden Kirche ebenso angewiesen wie die Kirche auf Informationen aus der diakonischen Praxis. Als Teil der Kirche stimmt das Diakonische Werk seine öffentlichen Stellungnahmen zu wichtigen Themen mit dem Kirchenkreis ab.

IV. Diakonie und Sozialpolitik: Wohlfahrtsverband der Ev. Kirche

1. Diakonisches Werk als Teil des sozialen Netzes

Das Diakonische Werk ist Teil des sozialen Netzes im Kreis Altenkirchen. Daher arbeitet es in enger Kooperation mit dem Kreis und seinen Verbandsgemeinden sowie der Stadt Herdorf zusammen.

2. Kooperation mit anderen Verbänden

Auch mit anderen Einrichtungen im Kreis Altenkirchen arbeiten wir eng zusammen. In der Arbeitsgemeinschaft der Träger der Freien Wohlfahrtspflege ("Kleine LIGA") im Kreis Altenkirchen hat sich das Diakonische Werk mit den fünf anderen Wohlfahrtsverbänden auf Kreisebene zusammengeschlossen.
Zu Durchführung der "Ambulanten Rehabilitation Sucht in den Kreisen Altenkirchen und Westerwald" wurde mit dem Caritasverand Betzdorf, dem Diakonischen Werk Westerburg und den Kliniken Wied ein Kooperationsvertrag abgeschlossen, der die Zusammenarbeit dieser Träger regelt.
Mit den anderen Verbänden der freien Wohlfahrtspflege Arbeiterwohlfahrt (AWO), Caritasverband Altenkirchen, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband ("Parität"), und Deutsches Rotes Kreuz (DRK) arbeitet das Diakonische Werk in der "Kleinen Liga" zusammen und stimmt das gemeinsam vorgehaltene Hilfeangebot ab.

V. Diakonie und Markt: Modernes Dienstleistungsunternehmen

1. Struktur

Das Diakonische Werk besteht aus einer - ehrenamtlichen - Leitungsstruktur, dem - hauptberuflichen - Leiter des Werkes und 8 Fachdiensten, die im Organigramm näher beschrieben sind.

2. Finanzierung

Im Jahr 2002 finanzierte das Werk seine Arbeit zu 33% aus Mitteln des Kirchenkreises Altenkirchen, zu 28% aus Erlösen für abrechenbare Dienstleistungen, insbesondere im Bereich der Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt, den Betreuungen nach Betreuungsgesetz und den Kursen zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis. 31% der Mittel waren Zuschüsse der öffentlichen Hand, insbesondere des Landes Rheinland-Pfalz (18%) und des Kreises Altenkirchen (13%). Der Rest (8%) waren Spenden und sonstige Zuwendungen. Diese Mittel wurden zu 79% für Personalkosten (66% Fachpersonal plus 13% Verwaltung) verwandt; 21% deckten die Sachkosten.

3. Qualitätsstrategie

Sowohl im Interesse der Klienten / Patienten als auch der Geldgeber hat das Diakonische Werk ein umfassendes Qualitätsmanagement eingeführt, an dessen Umsetzung noch gearbeitet wird. Auf der Grundlage des Leitbildes wurden Qualitätsstandards erarbeitet, die für das ganze Werk gelten und für die einzelnen Arbeitsbereiche jeweils konkretisiert werden. In dieser Phase befinden wir uns jetzt. Im Jahr 2002 wurde systematisch in allen Arbeitsfeldern ein Besucherfragebogen eingesetzt, der die Zufriedenheit unserer Besucherinnen und Besucher messen sollte. Die Ergebnisse wurden systematisch ausgewertet und dokumentieren eine hohe (98%) Zufriedenheitsquote.

4. Mitarbeitende

Die Mitarbeitenden des Diakonischen Werkes sind Mitarbeitende des Kirchenkreises Altenkirchen. Sie werden vergütet nach der kirchlichen Version des Bundesangestelltentarifvertrages, BAT-KF. Darüber hinaus arbeiten in vielen Arbeitsfeldern ehrenamtliche Mitarbeiter/innen. Grundlage ihrer Arbeit ist ebenfalls das Leitbild des Diakonischen Werkes.
Hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

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Geschichte der Diakonie in Deutschland

Die Geschichte der organisierten Diakonie begann 1848. Der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern entwarf beim Wittenberger Kirchentag das Programm der Inneren Mission gegen geistliche und materielle Armut sowie soziale Not. Der "Centralausschuß für die Innere Mission der Deutschen Evangelischen Kirche" wurde gebildet. Danach entstanden überall in Deutschland Verbände der Inneren Mission mit rechtlich selbstständigen, sozialpädagogischen, fürsorgerischen und pflegerischen Heimen, Anstalten und Einrichtungen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland gegründet. Es erschloss Auslandshilfen und belebte ökumenische Kontakte, um die Hungersnot in Deutschland zu bekämpfen, Vertriebene und Flüchtlinge anzusiedeln und die Jugendberufsnot zu lindern. Die Innere Mission und das Hilfswerk haben sich seit 1957 in landeskirchlichen Werken zusammengeschlossen. 1975 wurden sie im Diakonischen Werk der EKD vereint. Am 19. März 1991 sind die Diakonischen Werke der Kirchen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR dem Diakonischen Werk der EKD beigetreten. Videos und Bücher zur Geschichte der Diakonie finden Sie im Diakonie-Shop des DW der EKD.

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12 gute Gründe in der Kirche zu sein

  1. Im Christlichen Glauben bewahrt die Kirche eine Wahrheit, die Menschen sich nicht selber sagen können. Daraus ergeben sich Maßstäbe für verantwortungsbewusstes Leben.
  2. In der Kirche wird die menschliche Sehnsucht nach Segen gehört und beantwortet.
  3. Die Kirche begleitet Menschen von der Geburt bis zum Tod. Das stärkt auf geheimnisvolle Weise.
  4. In der Kirche können Menschen an einer Hoffnung auf Gott teilhaben, die über den Tod hinausreicht.
  5. Die Kirche ist ein Ort der Ruhe und Besinnung.
    Unsere Gesellschaft ist gut beraten, wenn sie solche Orte pflegt.
  6. In der Kirche treten Menschen mit Gebeten und Gottesdiensten für andere ein.
    Sie tun das auch stellvertretend für die Gesellschaft.
  7. Die kirchlichen Sonn- und Feiertage mit ihren Themen, ihrer Musik und ihrer Atmosphäre prägen das Jahr. Die Kirche setzt sich dafür ein, diese Tage zu erhalten.
  8. In Seelsorge und Beratung der Kirche wird der ganze Mensch ernst und angenommen.
  9. In Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen der Kirche schaffen viele haupt- und ehrenamtlich Engagierte ein besonders, menschliches Klima.
  10. Wer die Kirche unterstützt, übt Solidarität mit den Schwachen.
  11. Kirchliche Musik und Kunst sind bis heute prägende Kräfte unserer Kultur.
  12. Wo immer Menschen hinkommen oder hinziehen, treffen sie auch die weltweite christliche Gemeinschaft. Dazu kann jede und jeder beitragen.

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Die 10 Gebote

(nach Martin Luther)

Bei der Zählung der Gebote gibt es im Judentum und in den christlichen Kirchen unterschiedliche Traditionen. Die hier wiedergegebene Fassung folgt der lutherischen und römisch-katholischen Tradition. Eine andere Zählung ergibt sich dort, wo das Bilderverbot - "Du sollst dir kein Bildnis machen" - gesondert als zweites Gebot geführt wird

Das erste Gebot

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir

Das zweite Gebot

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.

Das dritte Gebot

Du sollst den Feiertag heiligen.

Das vierte Gebot

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

Das fünfte Gebot

Du sollst nicht töten.

Das sechste Gebot

Du sollst nicht ehebrechen.

Das siebte Gebot

Du sollst nicht stehlen.

Das achte Gebot

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das neunte Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Das zehnte Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

(Die ausführliche Fassung der Zehn Gebote steht in der Bibel an zwei Stellen: 2. Mose 20 und 5. Mose 5)

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Das Vater Unser

Das Grundgebet der gesamten Christenheit:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Amen.

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Das Apostolische Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

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Die Barmer Theologische Erklärung

Die theologische Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen vom 29. bis 31. Mai 1934

Alle Kirchen sehen in der Barmer Theologischen Erklärung ein wichtiges theologisches Dokument aus der Zeit des Kirchenkampfes. Ganz überwiegend betrachten sie die Barmer Theologische Erklärung als wegweisendes Lehr- und Glaubenszeugnis der Kirche im 20. Jahrhundert. Nicht wenige messen ihr darüber hinaus verpflichtende Bedeutung bei, einige rechnen sie zu ihren Bekenntnisgrundlagen (Evangelisch-reformierte Kirche, Evangelische Kirche der Union).

Thesen

Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh. 14, 6)
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden. (Joh 10,1.9)

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

Durch Gott seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung. (1. Kor 1,30)

Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.

Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist. (Eph 4, l5. 16)

Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt. Sie hat mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der Sünde als die Kirche der begnadigten Sünder zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist, allein von seinem Trost und von seiner Weisung in Erwartung seiner Erscheinung lebt und leben möchte.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.

Jesus Christus spricht: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener. (Mt 20, 25.26)

Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und dürfe sich die Kirche abseits von diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete Führer geben und geben lassen.

Fürchtet Gott, ehrt den König. (1. Petr 2,17)

Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,20)
Gottes Wort ist nicht gebunden. (2. Tim 2,9)

Der Auftrag der Kirche, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin, an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen.

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